Geschichte der Anlage

Die heute noch in ihrer Grundstruktur und in den meisten ihrer Gebäude erhaltene Gutsanlage wurde in den Jahren 1712 - 1726 von General Christian Wilhelm von Campen geschaffen. Die erste urkundliche Erwähnung läßt die Gründung des Poggenhagener Besitzes bereits im 14. Jh. durch Ludolf Campen erkennen. Das Lehnsgut wurde bis zum Jahr 1785 von der adligen Familie bewirtschaftet. Eigentümer der Gutsanlage wurde 1557 Herzog Erich von Braunschweig und Lüneburg, der sich für den Bau der Festungsanlage von Neustadt a. Rbge. und von Schloß Landestrost verantwortlich zeigte.

Das uradlige Geschlecht Derer von Campen aus dem Hause Poggenhagen starb 1785 im Mannesstamme aus. 1786 wurden die Grafen von Schwicheldt mit dem Gute belehnt. 1851 wurde es allodifiziert und ging 1899 durch Kauf in das Eigentum der Frau Regierungsrat Ulrich, später an deren Tochter Frau Dewitz von Woyna über. Die Zeit der Wende zum 20. Jh. war mit zahlreichen baulichen Veränderungen verbunden.

1937 ging der Gutshof durch Kauf in den Besitz von Frau Erna Harms über, später an den heutigen Besitzer, Hans-Heinrich Harms. Familie Harms musste ihre Hofstelle in der Lüneburger Heide verlassen, da hier der Truppenübungsplatz Bergen-Hohne gebaut wurde.

Eine Kartenaufnahme von 1782 durch Offiziere des Hannoverschen Ingenieurkorps zeigt die solitäre Lage des Gutes Poggenhagen. Sie befindet sich etwas abseits der Hauptwegeverbindung, in direkter Nähe zur Leine. Die Gutsanlage liegt an einer Wegeachse Nordnordwest - Südsüdost. Nach Norden hin ist die Achse als Allee durch das Poggenhäger Holz ausgebildet, führt zum Moorkrug und dann weiter nach Neustadt. Nach Süden hin führt die Achse über den Wirtschaftshof des Gutes zur Fährwiese von Bordenau.

Diese Wegeachse bildet gleichzeitig auch die Symmetrieachse für die Gutsanlage.

Im Norden befindet sich das Herrenhaus mit einem vorgelagerten Ehrenhof, ursprünglich von einem Graben umzogen. Das Herrenhaus wurde 1715 als rechteckiger, zweigeschossiger Fachwerkbau mit hohem Gewölbekeller errichtet. Es besitzt an der Traufseite 9 Fensterachsen, von denen die 3 mittleren durch einen Zwerchgiebel zusammengefasst sind und gleichzeitig den hofseitigen Eingang betonen. Das Walmdach besitzt heute eine untypische Deckung aus braunen Ziegeln. Die gartenseitige, neobarocke Fassade des Herrenhauses wird dem Besucher erst auf den 3. Blick hin gegenwärtig. 1899 wurde die parkseitige Fassade überformt. Fotos oder Zeichnungen aus der Zeit davor existieren nicht. Es ist jedoch zu vermuten, dass diese Nordfassade in Fachwerk analog der zum Wirtschaftshof gerichteten Südfassade konstruiert bzw. gestaltet war.

Hochwertiges ist auch im Gebäudeinneren vorhanden. Im Obergeschoss befindet sich ein eineinhalb-geschossiger Saal im italienischen Landstil ausgeführt. In diesem Saal wurden an den Kopfenden 2 Kamine eingebaut. Die Decke erhielt Stuck und die Wände Ölbilder mit Szenen aus griechisch-römischen Heldensagen. Ferner befinden sich Kachelöfen, vermutlich um 1700, und Wandfliesen in Delfter Art in dem Gebäude.

Auch wenn der Graben um das Herrenhaus nicht mehr vorhanden ist, so ist die Brücke zum Wirtschaftshof noch erkennbar. Sie ist heute noch mit zwei Paar Vasenpostamenten besetzt. Diese tragen die Wappen von Campen und von Hammerstein und die Jahreszahl 1716.

Ferner befanden sich innerhalb des Grabens 2 symmetrisch angeordnete Kavaliershäuser von 1713. Es handelt sich hierbei um langgestreckte Fachwerkgebäude mit Krüppelwalmdach und einem Glockenturm als Dachreiter. Das östliche Kavaliershaus ist heute nicht mehr existent. Die außerhalb des Grabens vorhandenen Fachwerkscheune von 1726, Stallgebäude und Landarbeiterwohnhaus (erbaut 1704) komplettieren die Gutsanlage.